Professur in OWL

Zum 1. März 2018 folge ich dem Ruf auf eine W2-Professur an der Hochschule OWL, im Fachbereich Medienproduktion. Ich trete die Stelle in Teilzeit an; bleibe zugleich weiterhin Teil des HUL an der Universität Hamburg, sodass ich das Habilitationsprojekt dort abschließen kann. Die beiden Einrichtungen haben jeweils schon eine Information publiziert (das HUL hier; die Hochschule OWL hier).

Mein Lehrstuhl trägt die Bezeichnung „Hochschul- und Fachdidaktik Medien„. Mit dieser Position ist auch die Teilleitung des Lernzentrums Lemgo verbunden. Zur Einstellung habe ich vor Kurzem in einem Interview mit der Presseabteilung der Hochschule ein paar Fragen beantwortet, die ich hier (in leicht gekürzter Form und in veränderter Reihenfolge) einfach zusammen mit meinen Antworten wiedergebe, weil man dadurch, glaube ich, einen raschen Überblick über meine neue Arbeit in OWL bekommt:

Was hat Sie an die Hochschule OWL geführt?

Als die Professur im Fachbereich Medienproduktion ausgeschrieben wurde, habe ich nicht lange gezögert, mich zu bewerben. Hier kann ich meinen medienrhetorischen Hintergrund mit meiner Expertise in der Hochschullehre und überfachlichen Vermittlung von Schlüsselqualifikationen verknüpfen. Die Hochschule OWL engagiert sich aktuell im deutschlandweiten Vergleich außergewöhnlich stark in der Entwicklung und Implementierung innovativer Lerninfrastrukturen: Das betrifft sowohl curriculare Maßnahmen (wie die projektorientierte Studiengangsgestaltung, etwa im reformierten BA Medienproduktion) als auch institutionelle Maßnahmen (wie die Gründung des Instituts für Wissenschaftsdialog). Daher ist sie für mich als Standort ausgesprochen attraktiv. Der Fachbereich Medienproduktion scheint mir zudem ein sehr dynamisches Umfeld zu sein. Ich hatte kürzlich Kontakt mit einigen Lehrenden dort und dabei sind schon die ersten konkreten Gestaltungsideen entstanden…

Was bedeutet für Sie Lehre?

Meiner Auffassung nach besteht ein kategorischer Unterschied zwischen dem akademischen Lehren und Lernen und der Schulbildung. Ein zentrales Problem der Fachdidaktiken im deutschsprachigen Raum ist, dass sie diese Unterscheidung in aller Regel unzureichend treffen und sich in ihren Konzepten und Modellen v.a. an der Schulpädagogik orientieren. Das kann für den Kontext akademischen Lernens nicht funktionieren: An der Hochschule geht es weder um „Erziehung“ oder „Unterricht“, sondern um Erwachsenenbildung. Ein weiterer großer Unterschied liegt darin begründet, wie das Assessment in den verschiedenen Einrichtungen angelegt ist: in der Schule wird i.d.R. stärker mit Erwartungshorizonten und Lösungsmengen gearbeitet als an der Hochschule. Das schlägt sich auch in der Sprache nieder – Abgaben in der Schule werden in aller Regel „korrigiert“, der Fokus liegt darauf, Wissensbestände abzuprüfen und auf Fehler hinzuweisen, und Wissen im Hinblick auf Konformitäten festzustellen. Das hat wiederum Konsequenzen für die Lernstrategien – und damit auch für das didaktische Handeln. Damit habe ich jetzt die Frage, was für mich Lehre bedeutet, natürlich noch lange nicht beantwortet… Karl Popper sagte einmal, Lehre auf Hochschulniveau sollte von zwei grundlegenden Charakteristika geprägt sein: dem reflektierten Training im kritischen Denken und der Ermutigung dazu:

I believe, and so do many others, that all teaching on the University level […] should be training and encouragement in critical thinking. (Popper, 1970: Normal science and its dangers, p. 52)

Ich finde, das gibt zumindest schon mal eine Orientierung.

Was bedeutet für Sie Forschung?

Ich erlebe den Forschungsbetrieb allgemein so, dass sich wissenschaftliche Felder und sogar ganze Disziplinen immer feiner ausdifferenzieren. Es kommt zu einseitigen Sichtweisen auf sich überlagernde Problemzuschnitte – und bei der oft reflexartig eingeforderten „interdisziplinären Zusammenarbeit“ vermehrt zu Verständigungsproblemen. An der aktuellen Debatte zur „Evidenzbasierung“ kann man bspw. schön sehen, wie vielfältig sich die Anhänger der verschiedenen Lager missverstehen. Was wir aus meiner Sicht in der Forschung brauchen, sind wieder stärker holistische, sprich ganzheitliche, Ansätze aus den Fächern heraus, mit denen sich Verständigung zwischen den spezialisierten Fachbereichen herstellen lässt. – Meine Dissertation kann für den Kontext „Medienrhetorik“ auch als ein Beitrag zu dieser Art der Verständigung „zwischen“ den Disziplinen gelesen werden.

Pläne für die kommenden Jahre hinsichtlich der Forschung

Konkrete Projekte, die ich gern gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen des Fachbereichs initiieren würde, wären die didaktische Gestaltung des Projektstudiums nach dem Konzept des „Forschenden Lernens“ – das könnte man als Lehr-Forschungsprojekt angehen (experimentelle Studie und/oder Design-Based-Research-Methodologie). Darüber hinaus würde ich mich gern für eine Verbesserung der fachübergreifenden und interprofessionellen Verständigung einsetzen (s.o.).

Further Reading

Die übrigen Fragen und Antworten sind in eine Pressemitteilung der Hochschule OWL eingeflossen. Sie ist unter diesem Link abrufbar (Bildquelle: Hochschule OWL):

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