Ratlosigkeit zum Qualitätspakt Lehre

Gestern wurde eine Pressemitteilung des Stifterverbands veröffentlicht, in der Pressevertreter/innen zur Quadriga Debatte eingeladen werden. Ziel der Veranstaltung ist, über die Zukunft des Qualitätspakts Lehre zu beraten. Aus meiner Sicht zeigt diese Initiative, dass die politische Diskussion weitaus weiter hintansteht, als wir alle befürchtet haben: Es sind wieder alle Vorschläge auf dem Tisch, die seit Manfred Prenzels Vorstoß, eine „Deutsche Lehrgemeinschaft“ zu gründen (gefolgt von der ad hoc-Ablehnung durch die HRK), diskutiert werden. (Zur Historie bspw. hier…):

Eine kontroverse Debatte in der Hochschulpolitik ist neu entfacht: Ist die Deutsche Lehrgemeinschaft das richtige Instrument, um die positiven Impulse des Qualitätspaktes Lehre aufzugreifen und die Hochschullehre kontinuierlich weiterzuentwickeln? Was wäre die Alternative? Braucht die Hochschullehre überhaupt einen Innovationswettbewerb? Oder würde es nicht reichen, wirksame Maßnahmen zu bündeln und zu verstetigen? (Pressemitteilung)

Hintergrund: Quadriga-Debatte

Bei der Quadriga-Debatte handelt es sich um eine (erneut) ergebnisoffene Diskussion zwischen prominenten Vertretern des jetzigen QPL-Verfahrens mit Wissenschaftsrat, Bundespolitik, wissenschaftlichen Akteuren etc. Es sollen laut Veranstaltungstext die politischen Entscheidungen in der GWK vorbereitet werden. Beteiligt sind u.a.:

  • Dr. Sabine Behrenbeck, Leiterin, Abteilung Tertiäre Bildung, Wissenschaftsrat, Köln
  • Prof. Dr.-Ing. Klaus Diepold, Lehrstuhl für Datenverarbeitung, Technische Universität München
  • Prof. Dr. Karin Donhauser, Vorsitzende des Auswahlgremiums, Humboldt-Universität Berlin, und Vorsitzende des Auswahlgremiums des Qualitätspakts Lehre
  • Prof. Dr. Sylvia Heuchemer, Vizepräsidentin für Lehre und Studium, Technische Hochschule Köln
  • Marcus Lamprecht, Mitglied des Vorstands, freier zusammenschluss von student*innenschaften, Berlin
  • Dr. Volker Meyer-Guckel, stellv. Generalsekretär, Stifterverband, Berlin
  • Dr. Ernst-Dieter Rossmann, MdB, Vorsitzender, Bundestagsausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, Berlin
  • Dr. Jan-Martin Wiarda (Journalismus, Moderation)

Beim Querlesen durch die Agenda wird m.E. deutlich, wie ratlos die beteiligten Akteure derzeit scheinen:

Ist eine solche Förderorganisation das richtige Instrument, um die positiven Impulse des Qualitätspaktes Lehre aufzugreifen […]?

Was spricht dafür, was spricht dagegen?

Welche Alternativen sind denkbar?

Inwieweit bedarf die Hochschullehre überhaupt einer Innovationsdynamik?

Sollte der zentrale Fokus politischer Maßnahmen nicht eher auf die Konsolidierung und Verstetigung wirksamer Maßnahmen gerichtet sein?

Noch ist also wohl völlig offen, ob ein neuer Innovationswettbewerb etabliert wird, ob „wirksame“ Maßnahmen fortgeführt werden (geschweige denn, nach welchen Kriterien eine Wirksamkeit von Lehrentwicklungen festgestellt wird) oder ob ganz neu verteilt wird. Es soll auch kreativ über „Alternativen“ zu den bestehenden Vorschlägen nachgedacht werden.

Wie weiter mit dem Qualitätspakt Lehre?

Meine Schlussfolgerung aus der erneut aufgeworfenen Grundsatzdiskussion: Wir sollten uns im Hinblick auf den Qualitätspakt Lehre als wissenschaftliche Community und als Lehrendengemeinschaft keinesfalls auf einen „QPL3“ verlassen, der in 25 Monaten nahtlos an die jetzige Finanzierung anschließt. Aus meiner Sicht würde es für die beteiligten Projekte Sinn machen, die verfügbaren Kräfte (natürlich im Rahmen des durch den Projektträger Gestatteten) stattdessen auf alternative Mittelakquisitionen zu richten. Wenn das in der Breite so kommt, haben wir letztlich genau die (von vielen gefürchtete) Situation, dass der „Markt“ das Problem regelt. Nur, dass es wohl zunächst kein neuer Markt sein wird.