Publikation: Excellent Teaching

Excellent TeachingIn der Reihe „Blickpunkt Hochschuldidaktik“ des wbv-Verlags erscheint in den nächsten Tagen ein vollständig englischsprachiger Band — unter dem Titel Excellent Teaching –Principles, Structures and Requirements. Das Buch richtet sich international an Akteurinnen und Akteure aus der Lehr- und Hochschulentwicklung. Herausgegeben wird es von Bettina Jansen-Schulz und Till Tantau.

Aus vier Perspektiven werden jeweils Antworten auf die Frage gegeben, wie die Lehre an Hochschulen zu Exzellenz verbessert werden kann. Jede Perspektive adressiert dabei eine andere didaktische Ebene:

  1. Structures and Requirements of Excellent Teaching – the Governance Perspective
  2. Research on Teaching and the Scholarship of Teaching and Learning – the Higher Education Research Perspective
  3. Methods in Higher Education – the Hands-On Perspective
  4. Teaching Awards and Evaluation – the Visibility Perspective

Ich habe mich in diesem Band mit gleich zwei wissenschaftlichen Aufsätzen speziell in dem Bereich „Higher Education Research“ engagiert (Perspektive 2).

Beitrag 1: Fokus auf eine bildungstheoretische Fundierung

Mein erster Beitrag eröffnet diesen Teilbereich des Buchs und versucht, die nachfolgenden Aufsätze zu „rahmen“: Er rekapituliert den aktuellen Stand der deutschsprachigen Bildungsforschung mit Blick auf das Konzept eines Scholarship of Teaching and Learning (SoTL) und ordnet dieses Konzept kritisch ein. Meine Diagnose ist zunächst, dass dieses wie viele weitere Konzepte zur genuin akademischen Bildung noch deutlich im Schatten der erziehungswissenschaftlich geprägten Diskussion steht. — Die ist nun in Deutschland in Fragen der Didaktik aber stark vom Primat der Schulbildung her geprägt und denkt didaktische Fragen vorrangig vom Kontext des sekundären Bildungsbereichs her.

Hinzu kommt, dass wir in Deutschland eben die Logik einer historisch gewachsenen Parallelstruktur im akademischen Bildungssystem haben, durch die neben der Allgemeinen Didaktik zum Teil hochspezialisierte Fachdidaktiken ausgebildet wurden. Diese werden an den Hochschulen zunehmend auch institutionell durch zentral gedachte Bildungseinheiten ergänzt (wie Schreibzentren, Mediendidaktik-Einrichtungen, Beratungsstellen, Wissenschaftsdidaktik-Institute etc.).

In dieser Gemengelage wird nun die Frage virulent, wie sich eine akademische Lehrhaltung entwickeln und kulturell nachhaltig festigen lässt. SoTL bietet dafür zumindest mit Blick darauf, wie es im internationalen Kontext umgesetzt wird, einen sinnvollen konzeptuellen Rahmen. Tatsächlich scheint sich unter diesem Schlagwort in den letzten Jahren weltweit etwas zu entwickeln, das sich als unmittelbar anschlussfähig an einige Aspekte unseres alten deutschsprachigen Konzepts von „humanistischer Bildung“ (im emphatischen Sinn) erweist.

Mein Beitrag versucht vor diesem Hintergrund, die verschiedenen Stränge der deutschsprachigen Aktivitäten in der Hochschullehre, die sich rund um das scholarship-Konzept bewegen, mit einzelnen Entwicklungen auf dem internationalen Parkett ins Gespräch zu bringen. Aus der Verknüpfung von „Bildung“ und „scholarship“ lassen sich einige didaktisch relevante Implikationen ableiten — etwa zu den Rollen- und Selbstkonzepten von Hochschullehrenden, aber auch der Frage, was denn eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der (eigenen) Hochschullehre auf einem erkenntnistheoretischen Level bedeutet. Hier liegt eine Schnittstelle zu dem, was wir curricular am Hamburger Zentrum für Universitäres Lehren und Lernen (HUL) mit dem Modul „Wissenschaftsforschung“ des Studiengangs Higher Education, M.A. aufbauen.

Bibliografischer Nachweis

Beitrag 2: Fokus auf den institutionellen Kontext

In einem zweiten Beitrag, den ich gemeinsam mit Bettina Jansen-Schulz verfasst habe, setzen wir den Fokus stärker auf die hochschulpolitischen und institutionellen Rahmenbedingungen. Diese haben entscheidenden Einfluss darauf, ob sich in einer Einrichtung eine spezifisch wissenschaftliche Haltung von Hochschullehrenden gegenüber ihrer Didaktik entwickeln kann. Dieser Beitrag ist gegenüber dem ersten Beitrag etwas anwendungsbezogener, da wir konkrete Implementierungsstrategien für SoTL beleuchten. Exemplarisch stellen wir die Strategien an unseren beiden Einrichtungen vor: Der Universität zu Lübeck und der Universität Hamburg, wobei wir jeweils auch Bezug zu den Leitbildern guter Hochschullehre nehmen, denen sich die beiden Institutionen verpflichtet sehen.

Wir stellen zunächst allgemein vor, wie sich SoTL als wissenschaftliche Methodologie im Verhältnis zu disziplinär verankerter Forschung umsetzen lässt. Anschließend reflektieren wir die Umsetzungsformen an den beiden Standorten.

An der Universität zu Lübeck wurde SoTL bereits 2014 programmatisch als Kern des postgradualen Zertifikatsprogramms im Umfang von 224 Lerneinheiten implementiert. Darin sind jährlich über 50 Kurse enthalten, die ein dreistufiges Programm bilden. Hier überwiegen empirische Forschungsmethoden bei der Umsetzung von SoTL-Projekten, die in der Regel durch bildungsethische Reflexionen ergänzt werden. Neben Zertifikatsarbeiten sind hier auch erste Promotionen entstanden.

An der Universität Hamburg wird SoTL im Rahmen eines wissenschaftlich ausgerichteten Masterprogramms für Hochschullehrende realisiert. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen aus unterschiedlichen Fachrichtungen und sind in der Regel dort auch institutionell „beheimatet“. Meist sind sie zudem aktiv in der Lehre in ihren Fachbereichen tätig — oder sie sind im Rahmen von Third-Space-Positionen mit Lehrentwicklung oder -koordination betraut. Entsprechend prägen die Denkmuster und Wissenschaftsverständnisse auch die Interpretationen von didaktischem Handeln und Forschen. SoTL wird hier in Form eines umfangreichen hochschuldidaktischen Forschungsprojekts ausgebildet (Regelstudienzeit: drei Semester; 20 Leistungspunkte). Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer reflektieren dabei selbst auf ihre Rolle als didaktisch Forschende und beteiligen sich mit ihren Projekten aktiv am Aufbau einer scientific community.

Bibliografischer Nachweis