Innovationen im Hier und Jetzt

Manchmal ist es schon spannend, über welche Umwege man zu Themen kommt, die dann wieder ganz stark mit der eigenen Arbeit zu tun haben. So ging es mir bei einem Vernetzungsworkshop, der von der erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Uni Hamburg aus organisiert wird. Das Konzept sieht u.a. ein “Blind-Date” vor, in dem man sich mit einer anderen, vorher nicht bekannten Person trifft und austauscht.

Ich hatte das Glück, Sigrid Harendza als Gesprächspartnerin “gezogen” zu haben: Sie befasst sich u.a. mit Ausbildungsforschung und Didaktik in der Medizin. Mit ihr hatte ich einen sehr anregenden Austausch, was sicherlich auch mit den großen Schnittmengen zwischen dem HUL und ihrer Professur zu tun hat. Im Gespräch sind wir auf eine niederländische Dissertation zu sprechen gekommen, die Suzanne Verdonschot schon 2009 erstellt hat:

  • Verdonschot, S. G. M. (2009). Learning to innovate: A series of sudies to explore and enable learning in innovation practices. Doctoral dissertation, University of Twente: Enschede.

Auf der Grundlage ihrer Forschung ist jetzt eine “Toolbox” entstanden: Das ist ein Set mit Handreichungen und Kärtchen, die Tipps und neue Anregungen enthalten für Situationen, in denen Innovationsprozesse ins Stocken geraten sind.

Innovationen werden dabei als Lernprozesse verstanden, die zielgerichtet gestaltet werden können. Um Innovationen anzuregen, finden sich in der Toolbox Gestaltungsprinzipien, außerdem Methodenkarten, die die Prinzipien auf konkrete Empfehlungen herunterbrechen und Beispielsituationen, die sie an konkreten Fällen exemplifizieren.

Vergangene Woche habe ich daraufhin dann den Kickstarter-Workshop besucht, auf dem die Toolbox erstmals in Deutschland vorgestellt wurde (seit 25.11.2015 ist sie nun auch auf Deutsch veröffentlicht). Neben Wissenschaftler/innen waren auch einige Expert/innen aus dem Beratungskontext und der Wirtschaft mit dabei.

Das war ziemlich spannend, da die Gestaltungsprinzipien tatsächlich richtig gutes Anregungspotential bieten: Sie sind hinreichend abstrakt formuliert, um auf verschiedene Situationen angewendet zu werden, und sie sind gleichzeitig konkret genug, um diesen Transfer auch tatsächlich zu ermöglichen. Es handelt sich also wirklich um eine “Toolbox”, d.h. einen Werkzeugkoffer; nicht um ein Rezeptbuch… Ich werde bei einem meiner Lehraufträge Ende Februar einmal ausprobieren, wie sich das auf Innovationsprozesse beim wissenschaftlichen Schreiben anwenden lässt, und berichte dann hier, wie es gelaufen ist.

Looking back in pictures

Wer mehr erfahren will, findet hier einiges an Hintergrundinfos zur Toolbox und der Veranstaltung.

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2 Comments

    1. Tobias Schmohl

      …cool, vielen Dank — hatte ich ganz übersehen! 🙂
      Rezeptbücher sind Handlungsanleitungen, die konkrete Anweisungen oder Vorgaben enthalten. Das ist die Toolbox nicht: Sie stellt ein Analyse-Instrumentarium dar, und bietet Konzepte (“Prinzipien”), aus denen sich Handlungspläne ableiten lassen. Sie ist gewissermaßen das Gerüst für die Bauten, die man dann selbst aufziehen kann/muss.

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